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Posts Tagged ‘ Bertolt Brecht ’

Die Lösung
Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

(Bertolt Brecht, 1953)

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Ich habe gehört, ihr wollt nichts lernen
Von Bertolt Brecht

Ich habe gehört, ihr wollt nichts lernen
Daraus entnehme ich: ihr seid Millionäre.
Eure Zukunft ist gesichert – sie liegt
Vor euch im Licht. Eure Eltern
Haben dafür gesorgt, daß eure Füße
An keinen Stein stoßen. Da mußt du
Nichts lernen. So wie du bist,
Kannst du bleiben.
Sollte es dann doch Schwierigkeiten geben, da doch die Zeiten
Wie ich gehört habe, unsicher sind
Hast du deine Führer, die dir genau sagen
Was du zu machen hast, damit es euch gut geht.
Sie haben nachgelesen bei denen
Welche die Weisheiten wissen
Die für alle Zeiten Gültigkeit haben
Und die Rezepte, die immer helfen.
Wo so viel für dich sind
Brauchst du keinen Finger zu rühren.
Freilich, wenn es anders wäre
Müßtest du lernen.

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Man sollte nicht zu kritisch sein

Von Bertolt Brecht

Man sollte nicht zu kritisch sein.
Zwischen ja und nein
Ist der Unterschied nicht so groß.
Das Schreiben auf weißes Papier
Ist eine gute Sache, auch
Schlafen und abends essen.
Das frische Wasser auf der Haut, der Wind
Die angenehmen Kleider
Das Abc
Der Stuhlgang!
Im Hause des Gehängten vom Strick zu reden
Ist nicht schicklich.
Und im Dreck
Zwischen Lehm und Schmirgel einen
Scharfen Unterschied finden
Das geziemt sich nicht.
Ach
Wer von einem Sternenhimmel eine
Vorstellung hat
Der
Könnte eigentlich sein Maul halten.

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Gestern kamen wir mal wieder in den Genuss des großen Hollywood-Kinos… Alle zerreißen sich das Maul über „Avatar“ und naja, ja, die Effekte waren toll und 3D hat auch etwas. Nur irgendwie wurde ich während des Films immer wütender. Muss man wirklich den Menschen mit dem Dampfhammer einbläuen, dass sie ziemlich parasitär sind?! Müssten wir das nicht alle schon längst begriffen haben, jetzt, wo Bio in ist?

Das ironische ist, dass die meisten Menschen es sehr wohl verstanden haben. Nur die paar wenigen, denen es egal ist, sind leider wie immer die Machthaber. Und so dröhnt man das Volk mit immer neuen sogenannten Öko-Thrillern und Umweltfilmen voll, deren einziger Ausweg am Ende dann doch wieder ein Krieg ist. Und schon ist die ganze Story von der heilen Welt passé. C’est la vie, mon amour…

Am krassesten an diesem großen Machwerk der sogenannten Filmkunst war aber, dass die Schönheit unserer Natur den Menschen offensichtlich nicht reicht. Nein, man muss sie mit Las Vegas vollpfropfen. Jede Blume, jedes Tier muss anscheinend leuchten um etwas besonderes zu sein. Alles ist gigantisch, übergroß und natürlich sooooo geheimnisvoll. Das Ganze reichert man dann noch mit etwas indianischer und afrikanischer Kultur an und schon ist Las Vegas in die Welt der „Prmitiven“ eingezogen, die wir Weißen einst überrollt haben und es immer noch tun.

So, und weil ihr euch den Film ja auch selber ansehen könnt und ihr euch meine weitere Meinung dazu wahrscheinlich schon denken könnte, schlagen wir wieder den Bogen zur Satire und zur Kunst. Ich antworte auf Avatar mit Bert Brechts Hollywood-Elegien: 😉

Das Dorf Hollywood ist entworfen nach den Vorstellungen
Die man hierorts vom Himmel hat. Hierorts
Hat man ausgerechnet, daß Gott
Himmel und Hölle benötigend, nicht zwei
Etablissements zu entwerfen brauchte, sondern
Nur ein einziges, nämlich den Himmel. Dieser
Dient für die Unbemittelten, Erfolglosen
Als Hölle.

Am Meer stehen die Öltürme. In den Schluchten
Bleichen die Gebeine der Goldwäscher. Ihre Söhne
Haben die Traumfabriken von Hollywood gebaut.
Die vier Städte
Sind erfüllt von dem Ölgeruch
Der Filme.

Die Stadt ist nach den Engeln genannt
Und man begegnet allenthalben Engeln.
Sie riechen nach Öl und tragen goldene Pessare
Und mit blauen Ringen um die Augen
Füttern sie allmorgendlich die Schreiber in ihren Schwimmpfühlen.

Unter den grünen Pfefferbäumen
Gehen die Musiker auf den Strich, zwei und zwei
Mit den Schreibern. Bach
Hat ein Strichquartett im Täschchen. Dante schwenkt
Den dürren Hintern.

Die Engel von Los Angeles
Sind müde vom Lächeln. Am Abend
Kaufen sie hinter den Obstmärkten
Verzweifelt kleine Fläschchen
Mit Geschlechtsgeruch.

Über den vier Städten kreisen die Jagdflieger
Der Verteidigung in großer Höhe
Damit der Gestank der Gier und des Elends
Nicht bis zu ihnen heraufdringt.

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