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Kabarett Geschichte

Plakat "Le Chat Noir" 1881

Plakat "Le Chat Noir" 1881

„Anfang der 1880er Jahre wurde in Paris das erste Kabarett eröffnet und zwar das cabaret artistique von Rodolphe Salis. Am 18. November 1881 erhielt es den Namen „Le Chat Noir“ und es sollte „politische Ereignisse persiflieren, die Menschheit belehren, ihr ihre Dummheit vorhalten, dem Mucker die schlechte Laune abgewöhnen …“ Es wurde so schnell auch zu einer Kneipe, in der sich Künstler gegenseitig ihre Nummern vorführten und testeten, bevor sie dem Publikum vorgestellt wurden

Erst zwanzig Jahre später, am 18. Januar 1901, gründete Ernst von Wolzogen mit dem „Überbrettl“ das erste deutsche Kabarett, das später nur noch „Buntes Theater“ genannt wurde. Etwa zur selben Zeit bildete sich in München die Gruppe Elf Scharfrichter, die das Kabarett nach einer Europatournee und anschließender Auflösung der Gruppe 1906 auch nach Wien brachten.

Einer der ersten Kabarettstars in Deutschland war Otto Reutter, dessen Couplets inzwischen mehr als 100 Jahre überdauert haben. Die strenge Theaterzensur im Kaiserreich sorgte jedoch dafür, dass im Kabarett des beginnenden 20. Jahrhunderts jegliche Form der öffentlichen Kritik verboten war. Mit dem Ende des ersten Weltkriegs wurde die Zensur auf Theater und Kabarettprogramme aufgehoben, und die Kabarettisten konnten ab 1919 auch auf die aktuellen politischen Entwicklungen und die soziale Situation der Menschen eingehen. In dieser Zeit blühte das deutsche Kabarett erstmals auf und brachte neben Otto Reutter so unterschiedliche Künstler wie Claire Waldoff, Werner Finck (1929–1935 beim Kabarett Die Katakombe), Hans Deppe, Isa Vermehren, Rudolf Platte oder Karl Valentin (auch Direktor des Münchener Kabaretts „Wien-München“) hervor. Für das Kabarett schrieben damals angesehene Literaten wie Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Erich Mühsam oder auch Klaus Mann für das Kabarett seiner Schwester Erika Mann, „Die Pfeffermühle“, Couplets und Texte.

Ab der Machtübernahme der NSDAP wurde diese geistvolle Zeitkritik allerdings immer mehr bekämpft – mit schwerwiegenden Folgen für das Kabarett in Deutschland: Finck zum Beispiel wurde 1935 kurzzeitig verhaftet und in einem KZ interniert, Tucholsky beging Ende des gleichen Jahres Selbstmord, fast alle deutschsprachigen Kabarettisten begaben sich nach und nach ins Exil in die Schweiz, nach Frankreich, Skandinavien oder auch in die USA. Die Folge war, dass es in Deutschland selbst nur noch das staatlich kontrollierte Kabarett gab, das immer stärker zu einer Bühne für volksdeutsche Witzeerzähler verkam oder das Publikum zum Durchhalten aufforderte.

Dieter Hildebrandt 2007 © Elke Wetzig

Dieter Hildebrandt 2007 © Elke Wetzig

Ab 1945 sorgten die Besatzungsmächte dafür, den Deutschen die Gräuel der Nationalsozialistischen Herrschaft näher zu bringen. Zur „Umerziehung“ gehörte auch, das kulturelle Leben wieder anzukurbeln. So halfen die Kulturoffiziere der Militärregierungen dabei, Theater und Kabarett wieder in Gang, neue und bisher verbotene Stücke auf die Bühne zu bringen. Fast vergessen ist, dass es unmittelbar nach 1945 auch in der Sowjetischen Besatzungszone eine relativ freie Kabarettszene gegeben hat, so z. B. in Leipzig das von Ferdinand May 1945 in Leipzig gegründete „Literarische Kabarett“ (ab 1947 „Die Rampe“). Erst mit Gründung der DDR wurden die freien Kabaretts mehr und mehr durch das propagandistische Kabarett ersetzt. Im Westen dagegen blühte die Kultur auf. Schnell prangerten die „Tol(l)eranten“ in Mainz (mit Hanns Dieter Hüsch), das „Kom(m)ödchen“ in Düsseldorf (mit Kay und Lore Lorentz), die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ (mit Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Achim Strietzel, Ursula Herking, Hans Jürgen Diedrich und Sammy Drechsel) und „Die Stachelschweine“ in Berlin (mit Rolf Ulrich, Inge Wolffberg, Günter Pfitzmann, Jo Herbst, Wolfgang Gruner, Achim Strietzel) Themen wie die Bundesregierung, den Kalten Krieg und später die Auswüchse des Wirtschaftswunders an. Die Programme dieser Kabarettisten der 1950er Jahre wurden durch die Entdeckung der Satire als kabarettistisches Stilmittel erstmals große Publikumserfolge, die sich auch im jungen Deutschen Fernsehen fortsetzten. 1953 wurde in Berlin-Ost „Die Distel“ als erstes staatliches Kabarett der DDR eröffnet – zensiert und ohne staatskritische Themen. Weitere ostdeutsche Kabaretts wie die „Kneifzange“ und die „Leipziger Pfeffermühle“ folgten, hatten aber beim Wortwitz stets auf die besonderen Gäste im Publikum zu achten, die man, so Peter Ensikat, sofort daran erkannte, „…dass sie erst dann zu lachen anfingen, wenn der dienstvorgesetzte Nebenmann dies ebenfalls tat.“

In den 1960er Jahren waren es in Westdeutschland vor allem Kabarettisten wie Wolfgang Neuss („Das jüngste Gerücht“, „Neuss Deutschland“ (eine Zeitung), „Die Villon Show“, „Asyl im Domizil“ ), Heinz Erhardt („Noch’n Gedicht“) oder der immer noch hoch geachtete Werner Finck (Kabarett „Nebelhorn“ in Zürich), die neben den großen Kabarett-Ensembles aus Düsseldorf, München und Berlin dem Zeitgeist ihren Wortwitz entgegensetzten. Ende der 1960er Jahre spaltete die Studentenbewegung Teile des Kabaretts in Deutschland. Künstler wie Hanns Dieter Hüsch wurden ausgepfiffen, weil die Studenten in ihnen Teile des Establishments sahen. Die erstmals 1966 bei den Wühlmäusen zu sehende kabarettistische Großform (Autor dieses Programms war Heio Müller) wurde von weiteren Kabaretts aufgegriffen.

In den 1970er Jahren entwickelten sich weitere neue Formen des Kabaretts wie Dieter Hildebrandts kabarettistische TV-Sendung „Notizen aus der Provinz“ und ab 1977 das Szenekabarett „Die 3 Tornados“. Noch in den ausgehenden 1980er Jahren war politisches Kabarett in der Bundesrepublik angesehener Teil der Gesellschaftskritik, blühte sogar nach der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR nochmals kurz auf. Neue Künstler wie der Frankfurter Matthias Beltz („Vorläufiges Frankfurter Fronttheater“) oder Mathias Richling setzten Zeichen. In den 1990er Jahren wurde das Kabarett aber gleich von mehreren Seiten verdrängt. Der Comedy-Boom, das Privatfernsehen und die damit verbundene Prioritätensetzung der öffentlich-rechtlichen Anstalten und ein geringer werdendes Interesse des Publikums sorgten für einen Rückgang von Kabarettprogrammen. In der ARD verblieb einzig die Sendung „Scheibenwischer“ (heute „Satire Gipfel“ Mathias Richling) im Programm. Das ZDF zeigt seit Januar 2007 die Sendung „Neues aus der Anstalt“ mit Urban Priol und Georg Schramm. Die dritten Programme senden regelmäßig Kabarett („Quer“ und „Ottis Schlachthof“ im BR, „Mitternachtsspitzen“ im WDR oder „Richling – Zwerch trifft Fell“ im SWR).“

Und alles über das aktuelle politische Kabarett erfahrt ihr hautnah bei uns… 😉

[Quelle: cc by Wikipedia]

4 Kommentare zu Kabarett Geschichte

  1. Leser on 29. Oktober 2009 at 14:49

    Ich habe diesen Blog soeben gefunden und möchte nur ein Zeichen von mir geben, dass ich ihn aufmerksam verfolge. Mir gefällt die liebevolle Gestaltung. Zu der Genialität und vor allem Wichtigkeit politischen Kabaretts muss ich aber nichts sagen, denke ich 😉

  2. Nina on 2. November 2009 at 15:08

    Hallo,

    das ist ja lieb von dir! Freut uns!

    LG, Nina

  3. Angelika Fey on 23. September 2012 at 15:38

    Hallo, ich finde die Geschichte des Kabaretts sehr gut geschrieben. Darf ich sie auszugsweise veröffentlichen? Ich schreibe gerade eine Repotage über Lisa Fitz, die Münchner Kabarettschule und eben die Anfänge des Kabaretts.
    Sie erscheint in dem Magazin: My Generation, die erstmals am 27. Oktober erscheint und die sich an die 50plus/Bestager richtet. Im voraus ganz lieben Danl!!
    Angelika Fey
    017624043377
    07243/208717

  4. Angelika Fey on 23. September 2012 at 15:40

    Klasse geschrieben!

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