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Archive for August, 2010

Das Volk der Denker
(September 1924)

Du armes Volk! Von aller Welt betrogen,
Besiegt im Kampf, im Sehnen selbst besiegt,
Sinnst du, das Hirn mit Wissen vollgesogen,
Der Frage nach, woran dein Unglück liegt.
Und schon gelingt dir trefflich zu erklären,
Warum bei so beschaffner Produktion
Des Einen Teil der Schweiß ist und die Schwären,
Des Andern Teil Theater, Sport und Spon.
Materialistisch weißt du zu begründen
Der Wirtschaftsform Naturnotwendigkeit
Und widerlegst den Wahn von Schuld und Sünden
Als Narrenglauben der Vergangenheit.
Wie scheint der Mahner dir naiv und komisch,
Der an die Seele pocht: Wach auf! Hab Kraft!
Du rechnest, wann historisch-ökonomisch
Die Stunde reift auf Grund der Wissenschaft.
Du lachst des Spruchs, Tat wachse nur aus Wollen,
Der manchmal noch in wirren Köpfen spukt.
Du siehst am Faden die Entwicklung rollen,
Erkennst dich selbst als deiner Zeit Produkt.
Du lerntest längst nach Phasen zu begreifen
Den Aufstieg der Geschichte und Kultur
Und lehnst es ab, in Träumerei zu schweifen:
Kleinbürger-Utopien hemmen nur.
Du kennst die Welt, durchdenkst sie dialektisch;
Empirisch ist dein Tun, dein Sinn real!
Sind deine Kinder skrofulös und hektisch –
Du weißt Bescheid, so wirkt das Kapital.
Und stehn sie hungrig vor des Reichen Türen,
Der dich – Rebell! – vertrieb aus der Fabrik,
Du senkst den Kopf in Bücher und Broschüren
Zum Studium der sozialen Republik.
Und liest: die Erde gäbe allen reichlich,
Gehörte sie nur allen; – und du liest:
Der schnöden Gegenwart folgt unausweichlich
Die Zukunft, die ein freies Volk genießt.
Die Zukunft kommt! Von selbst und ungerufen!
In stolzem Trost schwelgt deine Phantasie.
Nur eine Serie von Entwicklungsstufen
Steht noch davor. – So lehrts die Theorie.
Du liest und lernst, den Rücken krumm gebogen,
Durchwühlst du Heft um Heft und Band um Band.
O armes Volk! Von aller Welt betrogen,
Betrügst du selbst dich um dein Sehnsuchtsland.

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Ups, wie ist denn das passiert? Sieht ja fast so aus als wollten die Verantwortlichen der ARD richtig eins reinwürgen, denn Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig ist tatsächlich für den Deutschen Comedypreis nominiert, genauer gesagt seine inzwischen eingestellte Sendung “Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich” als “Beste Late-Night-Show”.

Normalerweise spielen bei dem Preis Kabarettisten eine eher untergeordnete Rolle und, wenn man sich das Feld der Nominierten mal so ansieht, ist das vielleicht auch gut so… ;-) Nun ja, jetzt darf sich Frank-Markus Barwasser also offiziell Comedian nennen und hat damit einen wirklichen Grund sich in die Anstalt einliefern zu lassen.

Er tritt in der Kategorie gegen “Inas Nacht” und “TV total” an. Naja, in unseren Augen ist die Entscheidung klar, wobei wir uns nicht sicher sind, wie Erwin Pelzig einen Comedypreis finden würde… Vielleicht kann ihn Malmsheimer beim Dekorieren der Anstalt verwenden…

Okay, wir geben es ja zu, der Comedypreis ist uns vollkommen egal und wir wollen eigentlich nur, dass “Neues aus der Anstalt” anfängt. Dazu findet man inzwischen übrigens auch Material auf der Homepage von Herrn Barwasser, u.a. ein Kommentar von Lothar Dombrowski zum Einzug Pelzigs in die Anstalt.

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Dem ist mal wieder nichts mehr hinzuzufügen…

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Ach ja, was lieben wir die Medien und noch mehr lieben wir es, wenn sie nicht stumm und entgegen ihrer Art vor sich her stieren, sondern ausnahmsweise mal laut brüllend die Sau durchs Dorf und vor sich her treiben. Die Medien im Ruhrpott und auch ein paar entsetzte im Publikum tun dies aktuell mit Jochen Malmsheimer.

Er sollte ein paar nette Worte zur Eröffnung des Zeltfestivals in Bochum sagen und zog stattdessen, wie die geschätzten Kollegen der Presse es nennen, “vom Leder”. Ach ja, da fällt einem Kabarettisten wirklich nichts Besseres ein als kritisch zu sein. Das hätten sich die Veranstalter auch nicht im Vorfeld denken können. Nun ja, wir finden Malmsheimers für ihn typische, kleine verbale Angriffe jedenfalls wie immer nicht schlecht. Wer sich also selbst ein Bild vom Skandal, der keiner ist, machen möchte, kann sich hier ein paar Auszüge aus seiner Rede ansehen bzw. anlesen oder dort den SKANDAL (hört ihr mich brüllen?) selbst begutachten.

Nun ja, und weil es in diesem Zusammenhang so schön ist, hier noch ein kleines Video aus den Anfängen der Anstalt:

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Kritiker sind die neuen Götter an unserem medialen Horizont. Kritiker und Experten, die natürlich von allem eine Ahnung haben, an der nicht gerüttelt werden darf. Da jeder so jemanden heutzutage haben muss, sind wir sehr froh, ankündigen zu dürfen, dass der renommierte Polit-Kritiker Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd regelmäßig bei uns zu weltbewegenden Themen Stellung nehmen wird. Zur Einführung ein kleines Interview mit Herrn Prof. Dr. Dr. Strunzöd:

Herr Prof. Dr. Dr. Strunzöd, erzählen Sie uns etwas mehr über sich, Herr Prof. Dr. Dr. Strunöd. Was macht einen Herrn Prof. Dr. Dr. Strunzöd zu Prof. Dr. Dr. Strunzöd? Wie sind Sie Experte und Polit-Kritiker geworden?

Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd: Zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle betonen, wie furchtbar geehrt ich mich fühle, auch diese wunderbaren Seiten Netz als mein Betätigungsfeld nutzen zu dürfen. Ja, wie bin ich so geworden? Zunächst habe ich Expertologie und Rechthaberei an der Universität Bad-Neuschnüppelburg studiert. Dort bin ich auf meinen Mentor getroffen. Dieser große Professor und TV-Kritiker, den jeder aus diversen Medien kennt, hat mich zunächst als seinen Berater mitgenommen und mich dann am Ende selbst ein wenig kritisieren lassen. Die Kritik wurde dann zu einem zentralen Punkt meines Tuns, denn das Hinterfragen und In-Worte-Kleiden hat mir schon immer gefallen.

Das Hinterfragen ist also ein wichtiger Bestandteil Ihres Seins?

P.D.D.M.S.: Ja genau, man kann mein Hinterfragen auch mieten und ich hinterfrage dann das, was der Auftraggeber hinterfragt haben möchte.

Damit haben Sie ja schon eine gewisse Machtposition? Wie gehen Sie damit um?

P.D.D.M.S.: Die Macht an sich darf man natürlich nicht unterschätzen und ich liebe es auch ein wenig, mich über andere zu stellen. Doch schließlich und endlich habe ich das Glück, dass ich meine eigene Macht auch hinterfragen und kritisieren kann. Ich bin dann praktisch mein eigener Auftraggeber.

Wie sind Sie dann darauf gekommen, sich auf den Bereich der Polit-Kritik zu konzentrieren?

P.D.D.M.S.: Wissen Sie, es gibt so viele Menschen in unserem Land, die die Politik hinterfragen, doch niemand dieser Menschen hat Expertologie studiert. Da lag es für mich nahe, den kritischen Menschen zu einer einheitlichen Richtung zu verhelfen. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder Staatsbürger die eigene Regierung unprofessionell hinterfragen würde? Das muss schon in geeigneten Formen geschehen.

Was sagen Sie zu Vorwürfen, die Regierung gehöre zu einem Ihrer Kunden?

P.D.D.M.S.: Dazu kann ich nur sagen, dass ich mit meinem Kundenstamm sehr vertrauensvoll umgehe. Ich werde mich zu keinem meiner Auftraggeber äußern.

Vielen Dank fürs Erste, Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd, wir freuen uns hier auf Ihre professionellen Polit-Kritiken!

P.D.D.M.S.: Das Medium, äh, die Freude ist ganz auf meiner Seite…

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