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Archive for Februar, 2010
Ach ja, was haben etliche Menschen aufgeatmet, als die Karlsruher Richter endlich erkannten, dass das System von Hartz IV nicht so ganz gerecht ist. Viele sprachen sogar schon vom kippen des gesamten Systems. Doch leider haben unsere findigen Lieblingsregierer schnell wieder eine Nische gefunden um noch mehr soziale Ungerechtigkeit als zuvor zu “verbreiten”. “Die Richter haben nicht gesagt, dass die Beiträge ungerecht seien.” Und schon wird ernsthaft über Kürzungen nachgedacht.
Die Kluft zwischen oben und unten wird immer deutlicher und nicht selten erwischt man Politiker dabei, dass sie in einen ziemlich adlig-herrschenden Ton verfallen. Tja, die Zeiten ändern sich, der Mensch nie. Und so hab ich in letzter Zeit von einigen Menschen sogar die Aussage vernommen, dass eine Monarchie eigentlich doch ganz gut sein könnte, wenn der Herrscher nur gut ist…
Was soll man dazu nur sagen? Und weil es so schön ist, an dieser Stelle noch mal die gruseligsten Politiker-Zitate rund um das Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts:
Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unions- Bundestagsfraktion, Peter Weiß, sagte der Frankfurter Rundschau: “Das Bundesverfassungsgericht hat nicht gesagt, dass die Hartz IV-Sätze zu niedrig sind. (…) Eine Reform sollte aus meiner Sicht zu niedrigeren Regelsätzen führen.”
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) meinte in der Bild-Zeitung: “Das Urteil zeigt eine problematische Tendenz hin zu einer übertriebenen Einzelfallbetrachtung statt zu einer vernünftigen Pauschalierung.”
FDP-Generalsekretär Martin Lindner sagte dem Fernsehsender n-tv: “Es ist völlig richtig, dass der Staat bei den Kindern ansetzt, aber bitte nicht in Form von Barzuwendungen für die Eltern. (…) Ich möchte nicht, dass wir über ein neues System Anreize schaffen, dass man übers Kinderkriegen Geld verdienen kann. Sonst gehen wir als Gesellschaft vor die Hunde.”
Guido Westerwelle: “Wer kellnert, verheiratet ist und zwei Kinder hat, bekommt im Schnitt 109 Euro weniger im Monat, als wenn er oder sie Hartz IV bezöge. Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken besorgt mich zutiefst. Die Missachtung der Mitte hat System, und sie ist brandgefährlich. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”
Und Westerwelle weiter: “Wer arbeitet, darf nicht mehr und mehr zum Deppen der Nation gemacht werden. Für viele Linke ist Leistung ja beinahe eine Form von Körperverletzung. Dagegen wehre ich mich.”
Continue Reading »Gestern Abend kamen wir mal wieder in den Genuss Hagen Rether live zu sehen. Den Lesern dieses Kabarett-Blogs muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel zu seinem Programm “Liebe” erklären. Schon sehr häufig wurde sich über sein Konzept von allen möglichen feuilletonistischen Seiten her ausgelassen.
Daher nur so viel von meiner Seite
: Kabarett ist generell Kunst. Nur Hagen Rether ist, zusammen mit nur wenigen anderen Kabarettisten, eben ein wenig mehr Kunst. Leider vergessen bzw. übersehen viele Leute den künstlerischen Aspekt beim Kabarett: die theatralischen Momente, die Schauspielkunst etc. Nur zu häufig gehen Menschen bei Kabarettisten von bloßer Meinungsmache oder Stimmungskanone aus.
Womit sie viele in ihrer Kunst unterschätzen. Leute wie Georg Schramm, Josef Hader oder eben auch Hagen Rether, die durch theatralische Mittel zum Nachdenken anregen. So schwebt über jedem Kabarett-Abend die Frage: Was nimmt das Publikum mit? Jaja, diese faszinierende Kabarett-Publikum…
Wie bei jedem Kunstwerk fühlen sich die meisten wohl beim Betrachten tief ergriffen, kehren dann aber wieder in ihren Alltag zurück und vergessen schnell die eben gewonnene Erkenntnis.
Da lässt sich jemand drei Stunden lang über grundsätzliche Probleme unserer Gesellschaft aus und danach steht bei fast allen Zuschauern eine große Frage im Raum: Was können wir ändern? Nein, leider diese nicht, aber man darf ja mal träumen
, nach jedem Kabarett-Abend fragt sich ein Großteil des Publikums die große und bedeutende, sinn- und wortgewaltige, alle umfassende Frage: Wie kann er sich nur so viel Text merken?
Tja, wie wird er das wohl machen? Sind alle Menschen, die auf Bühnen stehen Übermenschen mit riesigen Gehirnen, die jedes Wort fotografisch in sich aufsaugen können. Ja, ich sehe diese übermächtigen Künstler schon vor mir, wie sie in ihren Kämmerchen bei einem Glas Rotwein und schummrigen Kerzenschein sitzen und ihnen die Wörter nur so zufliegen…
Dann gibt es andere im Publikum, die meinen Kabarett und vor allem Hagen Rether sei zynisch. Ja, ein großer Haufen Zynismus entsteht da, wenn sich jemand hinsetzt und einfach nur im Plauderton erzählt, was in der Welt vor sich geht, was wir der Welt antun. Ach ja, es ist so leicht Dinge als zynisch abzutun. Dann kann man sie in seinem hinteren Kämmerlein in seinem kleinen Gehirn ablegen, da liegen sie dann auch gut und man muss nicht weiter drüber nachdenken.
Ach ja, und dann gibt es natürlich noch die Fraktion, die sich schon während des Programms ertappt fühlt und dann sich künstlich echauffiert um ihre Ertapptheit zu überspielen und ihr eigenes Leben zu rechtfertigen. Wie die Familie vor uns, bei der Mutti bei Vergleichen mit Terrorismus und Bin Laden heftig zusammenzuckt und meint das gehe zu weit und sich dann kurz nach einem Monolog über Tiertransporte zu ihrer Tochter beugt und sie fragt, ob sie nach der Vorstellung noch einen Burger möchte…
Und dann gibt es natürlich noch die paar wenigen, die wirklich über das Gesagte nachdenken, die sich inspiriert und bestätigt fühlen und etwas in ihr alltägliches Leben mitnehmen. Und alleine für die lohnt es sich doch Kabarett zu machen.
Egal, aus welchen Gründen man solch eine Vorstellung besucht, Hauptsache man geht hin!
So oder so ähnlich… Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine…
Hier mal wieder ein kleiner musikalischer Kommentar zur Politik, der Wirtschaft und dem ganzen Rest. Tom Waits hat das Wort:
Life is whittled
Life’s a riddle
Man’s a fiddle that life plays on
When the day breaks, and the earth quakes
Life’s a mistake all day long
Tell me, who gives a good gooddamn
You’ll never get out alive
Don’t go dreaming
Don’t go scheming
A man must test his mettle
In a crooked ol’ world
Starving in the Belly
Starving in the Belly
Starving in the Belly of a whale
Starving in the Belly
Starving in the Belly
Starving in the Belly of a whale
Dan’t take my word
Just look skyward
They that dance must pay the fiddler
Sky is darkening
Dogs are barking
But the caravan moves on
Tell me who gives a good gooddamn
You’ll never get get out alive
Don’t go dreaming
Don’t go scheming
A man must test his mettle
In crooked ol’ world
Starving in the Belly…
As the crow flies
It’s there the truth lies
At the bottom of the well
E-o-leven goes to heaven
Bless the dead here as the rain falls
Don’t trust a bull’s horn
A doberman’s tooth
A runaway horse or me
Don’t be greedy, don’t be needy
If you live in hope you’re
Dancing to a terrible tune
Starving in the Belly
Starving in the Belly…
Ach ja, aktuell ist mal wieder eine schöne Debatte um die Daten von deutschen Steuersündern in der Schweiz entbrannt. Und mal wieder übertreffen sich die Politiker selbst, so dass man hier fast schon keine Satire mehr braucht. Sehr schön, seid selbst euer politisches Kabarett! Schon blöd, wenn man die üblichen Geschäfte auf einmal öffentlich ausmachen muss…
Continue Reading »Hier mal wieder ein kleiner Überblick zu aktuellen Themen und Aktionen
: Unser absoluter Spaß-Vogel Guido Westerwelle hat sich zur gelungenen Satire Aktion von Campact geäußert bzw. äußern lassen.
Sinn der Aktion war es satirisch den Hotel-Spendenskandal der FDP und CSU für etwas Sinnvolles zu nutzen und zwar indem man Westerwelle und Seehofer Parteispenden für den Atomausstieg angeboten hat. Klar, dass unsere lieben Politiker sofort
diesen Sinn verstanden und natürlich prompt geantwortet haben.
Die Behauptung, es gebe einen Zusammenhang zwischen Parteispenden und politischen Entscheidungen, sei schädlich für die demokratische Kultur der Bundesrepublik. “Politik ist nicht so einfach, wie sich Spiegel-Redakteure das denken.” Und so weiter und sofort…
Wieder einmal wurden die Bürger mit einem Standardschreiben, das wahrscheinlich jeder auf eine Presseanfrage erhalten hat, weggenickt… Die gesamte Antwort gibt es hier zu lesen.
Machen wir gleich weiter mit Campact: Unterstützt die aktuelle Aktion um die Kopfpauschale zu stoppen! Schon im Februar sollen die ersten Verhandlungen um den Einheitsbeitrag der Krankenkassen stattfinden. Bis dahin sammelt Campact so viele Unterschriften wie möglich, kündigt Protest an und will sich so für ein solidarisches Gesundheitssystem einsetzen.
Zum Abschluss kommen wir nach Guido und Philipp noch zu Elena und wie seit Anfang des Jahres der gläserne Bürger immer mehr Gestalt annimmt. Dazu ein extrem guter Beitrag der Sendung “monitor”:
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