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Spinnereien

Endlich! Wir haben es kaum ausgehalten, ständig diesen übel gelaunten Rentner im Fernsehen ertragen zu müssen. Lothar Dombrowski nennt er sich und benutzt den Namen Georg Schramm als Pseudonym. Endlich ist er weg und wir können uns wieder den sorglosen Blödeleien unseres Vorstadt-Fernsehens hingeben!

Wie kann man sich auch für die Bühne entscheiden, wenn man die Wahl zwischen Fernsehen und Theater hat?! Der steckt ja noch in grauer Vorzeit fest. Die Zukunft des Kabaretts findet auf dem iPad statt. Klein und handlich werden hier die Pointen durch den Orbit geschossen und jeder kann sie sich auf Knopfdruck ansehen und vor allem wieder stoppen. Das hätte man bei diesem Dombrowski auch manchmal gebraucht, einen Schalter, mit dem man ihn abstellen kann. Nein, ich meine natürlich eine App, die dafür sorgt, dass er einem nicht immer so hemmungslos und rigoros die Wahrheit um die Ohren haut. Eine Wahrheit, die wir alle doch gar nicht hören wollen, weil wir taub vor Blindheit sind und stumm vor Geilheit. Geilheit auf größere Flachbildschirme, so dass man noch so jedes kleine Pixel aus der vermeintlichen Wunde eines zum Krüppel geschlagenen Fußballspielers zur WM erkennen kann, damit wir Angela Merkel ganz genau in ihre Augen sehen können und dieses falsche Leuchten noch schärfer ignorieren können. Geilheit auf mehr Casting-Shows, Geilheit auf mehr Topmodels, Geilheit auf mehr Geilheit, weil es so geil ist geizig zu sein. Ach, endlich wieder hemmungslos geizig sein, ohne eine moralische Instanz im Fernsehen!

Kein Oberstleutnant Sanftleben mehr, der die Anstalt mit strategischen Meisterleistungen stört. Kein Pharmavertreter und kein Sozialdemokrat mehr, der zusammen mit der SPD altert, wieder aufersteht, kränkelt, wieder aufersteht!

Manch einer mag ihn ja als künstlerisches Genie ansehen, ich aber, der große Medienexperte, meine, dass das ZDF froh sein kann, solch einen grindigen Nörgler los zu sein. Der hätte irgendwann eh nur Ärger gemacht! Die können sich glücklich schätzen, wenn er so blöd ist und sich freiwillig für das Theaterexil entscheidet. Wer sich selbst aus diesem glitzernden Licht des Fernsehens, aus diesem Wunderland verbannt, muss nicht mehr ganz bei Trost sein!

Wir wünschen uns nun eine saubere Anstalt, einen sauberen Nachfolger auf dem Niveau eines Mathias Richling oder eines Florian Schroeder, der jetzt seine Chance nutzt und eine Sendung bei RTL II moderiert. Ja, das sind die wahren Kabarettisten, sanfte Revoluzzer, die ihren Widerstand dem Meistbietenden verkaufen. Söldner dessen, was man einmal Kleinkunst nannte…

Hoffen wir also, dass die Stimme des Patientensprechers lange nicht mehr in die Anstalt zurückkehrt. Diese Patienten brauchen keinen Sprecher! Mit einem wie Lothar Dombrowski wäre unser wunderschönes System noch untergegangen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn nur ein paar Zuschauer über das Gesagte nachgedacht hätten! Nun müssen sich diese Leute schon selbst zu Dombrowski und den Seinen in die Vorstellung bemühen und können sich direkt dort mit ihm austauschen, sie können direkt darüber sprechen und die Gedanken weiterspinnen. Sie rotten sich so auf einem Haufen zusammen und sitzen nicht mehr nur jeder für sich vor dem Fernseher. Was passiert, wenn sie sich nun treffen? Sie werden uns alle holen! Es ist der Untergang der Welt! Der Himmel wird sich auftun und eine ganze Horde von nörgelnden und revoluzzenden Rentnern auf die Straße werfen, denen sich die Jugend anschließt. DAS IST DAS ENDE! Wäre er doch beim Fernsehen geblieben!

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Der Kabarettist hat Pause und die Leute drängen sich aus dem Toskana-Saal ins Foyer des Bruder-Marx-von-Hohenlohe-Theaters in Schwippelburg: Ach, was ist das nur wieder für eine Vorstellung und so lang! Was der da immer auf der Bühne so alles zu reden hat. Naja, wenigstens kann ich mir die Vorstellung kostenlos ansehen… So ein Presseausweis bringt dann halt doch seine Vorteile mit sich… Doch obwohl, wenn ich mir vorstelle jetzt auch über das Fußballspiel berichten zu können oder so wie mein Kollege Schwiebelmaier, der darf sich heute aus rein investigativen Zwecken das Schlammketschen ansehen. Und ich, ich muss zum Kabarett von diesem Yusuf Hader, der ist fast genauso langweilig wie dieser Gregor Schramm oder der Hagen Rethich, oder wie auch immer die heißen mögen!

Ach Gott, was schreib ich denn da morgen drüber?! Naja, das dürfte ja eigentlich kein Problem sein: “Eingebettet in ein kongeniales Programm schießt einen spitzen Pfeil nach dem nächsten in Richtung Politik und Wirtschaft ab. Er ist der große Künstler unter den Kabarettisten und schlägt mit seiner Wortakrobatik seine Konkurrenz um Längen. So einen wie ihn hat unser Land nötig, einen, der schonungslos die Wahrheit sagt und seinem Publikum den Spiegel vorhält. Er ist der Zyniker unter den Komödianten, ein charmanter Hofnarr mit Blick für das Wesentliche. Bissig und charmant umschleicht er seine Opfer um dann gnadenlos, aber immer noch mit einer gewissen Nonchalance aus dem Hinterhalt zuzubeißen…”

Praktisch, dass man das so schön über alle Kabarettisten schreiben kann, ohne, dass man ihnen wirklich zuhören muss. Warum die Leute da immer hinrennen ist mir sowieso schleierhaft. Aber vielleicht weil es in manchen Kreisen einfach schick ist. Will man denn wirklich die ganze Zeit hören, was schlecht in unserem Land ist? Also bitte, so schlimm ist es doch auch nicht… Außerdem übertreiben die immer so und verpacken das dann in irgendwelche Figuren. Das muss ich mir auch noch aufschreiben. Dieser Dingsda und seine Lieblingsfigur ist bestimmt auch grandios, das wollen die Leute doch hören. Ich hab meinen Artikel abgeliefert und bekomme mein Geld…

Oh Gott, ich habe ja auch noch eine zweite Hälfte vor mir! Jetzt hole ich mir erst einmal ein Bier. Ach, wäre ich doch beim Fußball wie mein Kollege!

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Momentan scheinen wir das Kabarett gar nicht zu brauchen, denn die Realität bietet einem eigentlich mal wieder genug Satirisches… ;-) Ich sage nur Schicksalswahl in NRW (Was für ein grandioses Wahlergebnis!) und natürlich die berühmt-berüchtigte Aschewolke, die an diesem Wochenende mal wieder zugeschlagen hat. Lalala!

Daher von uns ein kleiner Video-Kommentar, der beides quasi grandios miteinander vereint:

Und wer dann am Ende, so wie wir, doch nicht ganz auf das Kabarett verzichten kann oder will, dem sei morgen mal wieder “Neues aus der Anstalt” ans Herz gelegt. Gäste diesmal: Wilfried Schmickler, Piet Klocke und Uwe Steimle. Hey, hey, you, you, get off of my cloud…

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In diesen Tagen wurden von den Medien ja mal wieder einige Äußerungen von Kabarettisten künstlich aufgebauscht, frei nach dem Motto “Skandale, die die Welt nicht braucht”. Obwohl eigentlich haben wir ja viiieel zu wenige Skandale, wenn man bedenkt, dass es bereits für einen Skandal reicht, wenn irgendein kleines Promi-Sternchen auf ein öffentliches Klo geht, man sie beim Einkaufen in einem Billig-Laden “erwischt” hat oder sie sagt, dass sie Zähneputzen nicht mag…

“Skandal” Nummer eins drehte sich um Urban Priol und eine seiner Äußerungen in der letzten Folge von “Neues aus der Anstalt”. Er machte sich zurecht über die gespielte Betroffenheit über den Tod von Polens Staatspräsident Lech Kaczynski lustig, was dann natürlich gleich gaaanz Polen verärgerte, sich der ZDF-Programmdirektor im polnischen Fernsehen entschuldigen musste, große Spannungen zwischen den zwei Ländern entstanden und fast ein 25. Weltkrieg ausgebrochen wäre…

Ähnlich erging es auch Josef Hader, der den Fernseh- und Filmpreis “Romy” erhalten sollte, dies aber aus verständlichen Gründen ablehnte und nicht erschien. Soweit so gut, hätte nicht eine findige Reporterin seinen Kollegen Wolfgang Murnberger, natürlich ganz vertraulich, so lange bequatscht, dass dieser dann total genervt sagte, Josef Hader meine die Veranstalter könnten ihn am Arsch lecken. Dieses kleine, im Ärger gesagte “Zitat” macht dann in den österreichischen Medien die Runde und sorgte natürlich für was? Klar, einen Skandal… Ein schöner Beweis dafür wie Journalismus heute funktioniert… Den genauen Hergang kann man in einer kleinen Stellungnahme von Herrn Hader selbst auf seiner Homepage lesen… Faszinierend! ;-)

Hauptsache die Herren und Frauen, die sich Journalisten schimpfen, können sich in ruhmsüchtige Orgasmen schreiben. Dann wären wenigstens die befriedigt, während die Masse nach mehr giert. Tut sie das überhaupt?

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Lasche Asche

23. April 2010 by

Ach, immer diese Natur, die bringt uns noch ganz durcheinander! Da haben wir über Jahrzehnte an unserem Luftfahrtsystem gebaut und dann das, alles wird aufgehalten von einer Wolke. Puff und weg war der Luftraum, hat sich in Asche aufgelöst. Ach, was können sich die Medien in schlechten Wortspielen wie dieses ergehen, was kann die Wirtschaft motzen, was können die Passagiere für Schuldige suchen! Heisa, was für ein Spaß!

Und im ganzen “Du bist schuld, nein du!” löst sich die Aschewolke langsam wieder auf. Wahrscheinlich hat sie die Millionen Sondersendungen und Brennpunkte im TV nicht ausgehalten. Da steht man einmal im Mittelpunkt und dann auf diese Art und Weise! Experten, die sich noch nie mit der Wolke persönlich unterhalten haben, geben einfach so Kommentare zu ihr ab. Die wussten ja nicht einmal, wo die Wolke war! Obwohl, wenn Kachelmann nicht verhindert gewesen wäre, hätte er sicherlich ein grandioses Interview mit der Wolke hinbekommen…

Hat sich die arme Aschewolke extra aufgebläht und sich ganz groß gemacht, dass alle sie sehen und dann wird sie falsch wahrgenommen und alle meiden sie. Aber so ist das eben mit Künstlern, auf ewig mysteriös und so unverstanden! Die einzige richtige Reaktion war, dass bei Beerdigungen beim Satz “Asche zu Asche” in heftige Lachkrämpfe ausgebrochen wurde. Da winden sie sich alle  am Boden über ihnen die Aschewolke und neben ihnen der Verwandte, der nun auf seine Wolke geht.

Wenigstens haben wir jetzt alle gelernt, dass auch Flughäfen als Strand zählen und man dort wunderbar stranden kann, dass ein Urlaub kein Urlaub mehr ist, wenn man zum Bleiben gezwungen wird und dass Peter Ramsauer der neue Phönix aus der Asche ist. Was haben wir gelacht!

Naja, jetzt hat die Aschewolke auch keine Lust mehr und bleibt lieber in Form von Lava auf Island. Sie hat genug vom restlichen Europa gesehen und wurde nicht gerade nett empfangen. Zuhause ist es halt doch am Schönsten!

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Der Kabarettist hat Pause und die Leute drängen sich aus dem Toskana-Saal ins Foyer des Bruder-Marx-von-Hohenlohe-Theaters in Schwippelburg:  Ach nein, was sind diese Kabarettisten auch immer so lustig! Hach ja, die haben ja immer so recht… Diese Anzugträger haben ja meist auch etwas Heuchlerisches, wie der eine da auf der Bühne gerade gesagt hat, das sind eh alles Banker! (zupft seine Krawatte gerade, rückt die Krawattennadel zurecht und kontrolliert sein Einstecktuch)

Aber dieser Gregor Schramm ist eh einer der besten, nur, dass der immer so wütend sein muss… Der ist bestimmt im normalen Leben auch immer so wütend, also zusammenleben mit dem ist bestimmt nicht leicht, wenn der immer so cholerisch ist. Man muss sich doch nicht gleich über alles so aufregen. Trotzdem ganz große Kultur! Ja, Sie sagen es, kulturell wertvoll! Diesen Hagen Rethich oder wie der heißt haben wir neulich auch gesehen. Wo war das noch gleich? Ach ja, nach dem Geburtstag meiner Großnichte sind wir in den großen Pausensaal  nach Neuschwätzingen gefahren und da hat der gespielt. Wahnsinn! Nur eben auch wieder so böse! Zynisch war der ja schon ein bisschen und so direkt. So was darf man aber nur auf der Bühne! Und so politisch! Doch manchmal nehmen die mir ein politisches Thema nicht ernst genug. Die Welt ist doch kein Spaß!

Stimmt Schatz, und danach waren wir noch so schön essen, bei diesem Ausländer, Giovanni hieß der glaube ich, ganz große klasse. Nur die Hummersuppe war mir ein wenig zu fade. Aber der ist ja auch gerade erst vor ein paar Jahren nach Deutschland gekommen, hat sozusagen einen Migrationshintergrund. In vielen Ländern weiß man ja auch gar nicht was Hummer, geschweige denn gutes Benehmen in Restaurants ist…

Wie heißt denn noch dieser andere Kabarettist, den man immer zusammen im TV mit Gregor Schramm sieht? Na, der der immer so lustig die Stimmen nachmacht. Ja, Pirol heißt der. Heißt der Loriot nicht auch Pirol? Sind die verwandt? Die müssen verwandt sein, bei dem Humor. Die kennen sich eh bestimmt alle total gut untereinander. So groß ist diese Szene ja nicht. Würde mich nicht wundern, wenn die alle befreundet wären… Auf jeden Fall gehen der Pirol und der Gregor Schramm immer zusammen auf Tour. Das weiß ich, weil im Fernsehen sieht man die ja auch immer zusammen. Machen die überhaupt etwas allein?

Naja, bevor es klingelt geh ich mal nochmal lieber aufs Klo und bügel noch schnell mein Hemd. Das Sitzen macht das immer so faltig… (zupft seine Krawatte gerade, rückt die Krawattennadel zurecht und kontrolliert sein Einstecktuch)

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