Da sitzen sie nun wieder alle stramm bebleckt und packen ihre Phrasen aus. Mehrmals in der Woche, wenn man auf der Suche nach etwas Intelligentem im TV ist (die Chancen sind gering, aber nicht hoffnungslos), stößt man auf sie : Deutschland sucht den nächsten Superjournalisten, Deutschland sucht den nächsten Supermeinungsmacher, Deutschland sucht den nächsten Superphrasierer.
Hören denn diese Casting-Shows niemals auf? Da sitzt eine wertenden “Moderatorin” und quetscht die Kandidaten absolut knallhart aus. Und sie stellen sich den Herausforderungen:
Wirtschafsweisen in glatten Anzügen und noch glatteren Haaren rutschen fast von ihren Stühlen, die am glättesten sind, und werfen die Sätze in die Luft. Diese flirrt, diese klirrt, am Ende ein leiser Hauch und der Satz wird an der nächsten Wand zerschmettert.
Das können die Kontrahenten natürlich nicht auf sich sitzen lassen: Behäbig hebt der machthabende Habenichts seinen habenden Arm und setzt an: Was nun folgt ist ein Stoßgebet aus Luftschlössern, ein fahler Traum vom unendlichen Leben, von einem Leben, wie sie es sich vorstellen, wie sie die Utopie für uns erschaffen. Und doch bleibt es ein Traum, ein Traum von Weihrauch und Myrre in goldgetränkten mit Diamanten versetzten Ziergedeck. Ach, könnten sich nur alle politischen Politiker in solch Poesie ergehen! Obwohl, das tun sie ja schon! Der Zieracht knarzt, das Gebälk schwankt und schon schweben sie darnieder. Engelsgleich…
Ihr Traum wäre so schön, wären da nicht auch die anderen Casting-Kandidaten aus dem Volk, die man aufgrund des medialen Zugehörigkeitsgefühl der Zuschauer auch noch einladen muss. Diese scheinen für die Ohren der Politiker zu quäcken. Immer müssen sie dagegen sein, immer müssen sie andere Ideen haben und immer müssen sie in ihren sonoren Stimmen den jähen Traum zerstören.
Jetzt sind alle aufgebracht, ja, sie tanzen verbal umeinander, verheddern sich in ihren Wortschleifen. Sie schleifen sie zu Boden um sie dann im Ringelrein wieder aufzuheben. Am Ende sind alle erschöpft, die Phrasen verdroschen und das Gebälk hat gehalten.
Wer Deutschlands nächster Superphrasierer wird, steht noch nicht fest, doch wozu hat man noch etliche verschiedene Folgen der informellen Volksbelustigung?
Posted by Nina - 26/02/10 - 0 comments



Ganz klar, unser Land liegt ganz schön im Argen. Manchmal steht man einfach nur fassungslos all der Ungerechtigkeit, die wir Menschen uns gegenseitig antun, gegenüber. Und in anderen Momenten will man genau dieser Fassungslosigkeit Ausdruck verleihen.
Eigentlich wollte ich euch als ersten Eintrag über die kommende Kabarett-TV-Saison informieren. Doch das muss wohl noch auf den nächsten Beitrag warten, denn, was sich im Vorfeld der Bundestagswahlen und nach diesem so hoch titulierten “Super-Wahlsonntag” mal wieder in den Medien abspielt, bedarf eines kleinen Kommentars.
Ein herzliches Willkommen auf Le Chat Noir. Ganz im Zeichen dieses Namens (Genaues noch im kommenden Bereich “Kabarett Geschichte”) haben wir uns hier dem in erster Linie politischen Kabarett verschrieben, eine Kunstform, die mir in heutigen Zeiten immer wichtiger wird.