Einstein cc by Flickr Ricardo DiazKritiker sind die neuen Götter an unserem medialen Horizont. Kritiker und Experten, die natürlich von allem eine Ahnung haben, an der nicht gerüttelt werden darf. Da jeder so jemanden heutzutage haben muss, sind wir sehr froh, ankündigen zu dürfen, dass der renommierte Polit-Kritiker Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd regelmäßig bei uns zu weltbewegenden Themen Stellung nehmen wird. Zur Einführung ein kleines Interview mit Herrn Prof. Dr. Dr. Strunzöd:

Herr Prof. Dr. Dr. Strunzöd, erzählen Sie uns etwas mehr über sich, Herr Prof. Dr. Dr. Strunöd. Was macht einen Herrn Prof. Dr. Dr. Strunzöd zu Prof. Dr. Dr. Strunzöd? Wie sind Sie Experte und Polit-Kritiker geworden?

Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd: Zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle betonen, wie furchtbar geehrt ich mich fühle, auch diese wunderbaren Seiten Netz als mein Betätigungsfeld nutzen zu dürfen. Ja, wie bin ich so geworden? Zunächst habe ich Expertologie und Rechthaberei an der Universität Bad-Neuschnüppelburg studiert. Dort bin ich auf meinen Mentor getroffen. Dieser große Professor und TV-Kritiker, den jeder aus diversen Medien kennt, hat mich zunächst als seinen Berater mitgenommen und mich dann am Ende selbst ein wenig kritisieren lassen. Die Kritik wurde dann zu einem zentralen Punkt meines Tuns, denn das Hinterfragen und In-Worte-Kleiden hat mir schon immer gefallen.

Das Hinterfragen ist also ein wichtiger Bestandteil Ihres Seins?

P.D.D.M.S.: Ja genau, man kann mein Hinterfragen auch mieten und ich hinterfrage dann das, was der Auftraggeber hinterfragt haben möchte.

Damit haben Sie ja schon eine gewisse Machtposition? Wie gehen Sie damit um?

P.D.D.M.S.: Die Macht an sich darf man natürlich nicht unterschätzen und ich liebe es auch ein wenig, mich über andere zu stellen. Doch schließlich und endlich habe ich das Glück, dass ich meine eigene Macht auch hinterfragen und kritisieren kann. Ich bin dann praktisch mein eigener Auftraggeber.

Wie sind Sie dann darauf gekommen, sich auf den Bereich der Polit-Kritik zu konzentrieren?

P.D.D.M.S.: Wissen Sie, es gibt so viele Menschen in unserem Land, die die Politik hinterfragen, doch niemand dieser Menschen hat Expertologie studiert. Da lag es für mich nahe, den kritischen Menschen zu einer einheitlichen Richtung zu verhelfen. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder Staatsbürger die eigene Regierung unprofessionell hinterfragen würde? Das muss schon in geeigneten Formen geschehen.

Was sagen Sie zu Vorwürfen, die Regierung gehöre zu einem Ihrer Kunden?

P.D.D.M.S.: Dazu kann ich nur sagen, dass ich mit meinem Kundenstamm sehr vertrauensvoll umgehe. Ich werde mich zu keinem meiner Auftraggeber äußern.

Vielen Dank fürs Erste, Prof. Dr. Dr. Marcus Strunzöd, wir freuen uns hier auf Ihre professionellen Polit-Kritiken!

P.D.D.M.S.: Das Medium, äh, die Freude ist ganz auf meiner Seite…

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Posted by Nina - 20/08/10 - 1 comment

 

“Da, da hinten ist er!” Der Kabarettist läuft los, gefolgt von einer großen Masse an kreischenden Frauen und ein paar Männern, die alle langsam im Laufen ihre Oberteile öffnen. Dieses Multitasking ist enorm! “Das ist er, das muss er sein! Vielleicht spricht er ja mit uns oder berührt mich sogar. Oder hält mich für ein Genie und liest mein Gedicht. Bei den Reimen habe ich mir extra viel Mühe gegeben. Es muss einfach gut sein und er, er, soll es lesen.”

Der Kabarettist läuft Richtung Bühne. Er verschanzt sich. Vor der Bühne kreischende und weinende Frauen, die alle die Hände zu ihm empor strecken. “Ja, sag uns, wie die Welt funktioniert! Bring uns zum Lachen, lass deine Kritik auf uns herabprasseln, auf, dass wir nicht über sie nachdenken müssen, denn du denkst ja für uns!”

Ein anderer Teil des Kabarettpublikums rückt freundlich, aber bestimmt in die andere Seite des Saals… Ein paar wenige kauern sich kopfschüttelnd in der Ecke zusammen, während der Rest des Saals tobt. Der Kabarettist hat nun die Bühne betreten und kritisiert anhand einer Banane aus dem Supermarkt die Zwangsarbeit von Affen, die die Regierung darstellen, und spricht sich für fairen Handel aus. In diesem Moment öffnen zwei der Kabarett-Fans ihre Tupperdosen und fangen an mit Gänseleber gefülltes Stubenküken zu essen.

Der Kabarettist poltert weiter und die kreischende Menge übertönt es. Schnell sprechen sie ihn noch heilig, während er wutschnaubend und verzweifelt von der Menge weggetragen wird. ” Da, das ist er und ich berühre ihn!”

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Posted by Nina - 25/06/10 - 0 comments

 

Revolution cc by Flickr veganstraightedgeEines ist ganz klar, wir brauchen eine Revolution! So wie es in diesem Land aussieht, können wir diese Zustände nicht mehr länger ertragen. Morgen mach ich Revolution! Ach nein, morgen habe ich etliche Termine. Morgens muss ich schon Brötchen holen und dann muss ich Sport machen. Naja, so ein Alltag hat es schon in sich.

Termine über Termine, Arbeit über Arbeit. So um 14 Uhr könnte ich die Revolution vielleicht noch einrichten. Oh nein, das geht auch nicht, da hab ich meinen Yoga-Termin. Aber übermorgen, da nehme ich mir das ganz fest vor.

Ach nein, Moment, für eine Revolution brauche ich mehrere. Ich alleine da so mit meinem Schild auf der Straße würde ja auch komisch aussehen. Oh, da muss ich die Termine gleich mal mit meinen Freunden, sozusagen den anderen Revoluzzern, koordinieren.

Also, Michael hat übermorgen sein wichtiges Fußball-Spiel und Stefanie muss ihr Kind zur Kita bringen. Naja, und dann sind wir alle auch schon wieder im Urlaub. Ich schicke mal einen Terminvorschlag zum Anfang nächsten Jahres per iPhone an alle. Ja, so eine Revolution muss ja auch geplant werden. Dann werten wir dieses Jahr als Projekt-Planungsphase, machen eine Fan-Seite bei Facebook auf und hoffen, dass sich in dieser Zeit die Verhältnisse nicht ändern, sonst ist ja all unsere Planung umsonst. Aber dann, im nächsten Jahr, da machen wir Revolution!

Danke, Josef Hader, für den indirekten Tipp… ;-)

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Posted by Nina - 18/06/10 - 0 comments

 

Theatervorhang by Flickr daskerstEndlich! Wir haben es kaum ausgehalten, ständig diesen übel gelaunten Rentner im Fernsehen ertragen zu müssen. Lothar Dombrowski nennt er sich und benutzt den Namen Georg Schramm als Pseudonym. Endlich ist er weg und wir können uns wieder den sorglosen Blödeleien unseres Vorstadt-Fernsehens hingeben!

Wie kann man sich auch für die Bühne entscheiden, wenn man die Wahl zwischen Fernsehen und Theater hat?! Der steckt ja noch in grauer Vorzeit fest. Die Zukunft des Kabaretts findet auf dem iPad statt. Klein und handlich werden hier die Pointen durch den Orbit geschossen und jeder kann sie sich auf Knopfdruck ansehen und vor allem wieder stoppen. Das hätte man bei diesem Dombrowski auch manchmal gebraucht, einen Schalter, mit dem man ihn abstellen kann. Nein, ich meine natürlich eine App, die dafür sorgt, dass er einem nicht immer so hemmungslos und rigoros die Wahrheit um die Ohren haut. Eine Wahrheit, die wir alle doch gar nicht hören wollen, weil wir taub vor Blindheit sind und stumm vor Geilheit. Geilheit auf größere Flachbildschirme, so dass man noch so jedes kleine Pixel aus der vermeintlichen Wunde eines zum Krüppel geschlagenen Fußballspielers zur WM erkennen kann, damit wir Angela Merkel ganz genau in ihre Augen sehen können und dieses falsche Leuchten noch schärfer ignorieren können. Geilheit auf mehr Casting-Shows, Geilheit auf mehr Topmodels, Geilheit auf mehr Geilheit, weil es so geil ist geizig zu sein. Ach, endlich wieder hemmungslos geizig sein, ohne eine moralische Instanz im Fernsehen!

Kein Oberstleutnant Sanftleben mehr, der die Anstalt mit strategischen Meisterleistungen stört. Kein Pharmavertreter und kein Sozialdemokrat mehr, der zusammen mit der SPD altert, wieder aufersteht, kränkelt, wieder aufersteht!

Manch einer mag ihn ja als künstlerisches Genie ansehen, ich aber, der große Medienexperte, meine, dass das ZDF froh sein kann, solch einen grindigen Nörgler los zu sein. Der hätte irgendwann eh nur Ärger gemacht! Die können sich glücklich schätzen, wenn er so blöd ist und sich freiwillig für das Theaterexil entscheidet. Wer sich selbst aus diesem glitzernden Licht des Fernsehens, aus diesem Wunderland verbannt, muss nicht mehr ganz bei Trost sein!

Wir wünschen uns nun eine saubere Anstalt, einen sauberen Nachfolger auf dem Niveau eines Mathias Richling oder eines Florian Schroeder, der jetzt seine Chance nutzt und eine Sendung bei RTL II moderiert. Ja, das sind die wahren Kabarettisten, sanfte Revoluzzer, die ihren Widerstand dem Meistbietenden verkaufen. Söldner dessen, was man einmal Kleinkunst nannte…

Hoffen wir also, dass die Stimme des Patientensprechers lange nicht mehr in die Anstalt zurückkehrt. Diese Patienten brauchen keinen Sprecher! Mit einem wie Lothar Dombrowski wäre unser wunderschönes System noch untergegangen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn nur ein paar Zuschauer über das Gesagte nachgedacht hätten! Nun müssen sich diese Leute schon selbst zu Dombrowski und den Seinen in die Vorstellung bemühen und können sich direkt dort mit ihm austauschen, sie können direkt darüber sprechen und die Gedanken weiterspinnen. Sie rotten sich so auf einem Haufen zusammen und sitzen nicht mehr nur jeder für sich vor dem Fernseher. Was passiert, wenn sie sich nun treffen? Sie werden uns alle holen! Es ist der Untergang der Welt! Der Himmel wird sich auftun und eine ganze Horde von nörgelnden und revoluzzenden Rentnern auf die Straße werfen, denen sich die Jugend anschließt. DAS IST DAS ENDE! Wäre er doch beim Fernsehen geblieben!

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Posted by Nina - 28/05/10 - 0 comments

 

Sport journalist by wikiDer Kabarettist hat Pause und die Leute drängen sich aus dem Toskana-Saal ins Foyer des Bruder-Marx-von-Hohenlohe-Theaters in Schwippelburg: Ach, was ist das nur wieder für eine Vorstellung und so lang! Was der da immer auf der Bühne so alles zu reden hat. Naja, wenigstens kann ich mir die Vorstellung kostenlos ansehen… So ein Presseausweis bringt dann halt doch seine Vorteile mit sich… Doch obwohl, wenn ich mir vorstelle jetzt auch über das Fußballspiel berichten zu können oder so wie mein Kollege Schwiebelmaier, der darf sich heute aus rein investigativen Zwecken das Schlammketschen ansehen. Und ich, ich muss zum Kabarett von diesem Yusuf Hader, der ist fast genauso langweilig wie dieser Gregor Schramm oder der Hagen Rethich, oder wie auch immer die heißen mögen!

Ach Gott, was schreib ich denn da morgen drüber?! Naja, das dürfte ja eigentlich kein Problem sein: “Eingebettet in ein kongeniales Programm schießt [den Namen muss ich gleich nochmal recherchieren] einen spitzen Pfeil nach dem nächsten in Richtung Politik und Wirtschaft ab. Er ist der große Künstler unter den Kabarettisten und schlägt mit seiner Wortakrobatik seine Konkurrenz um Längen. So einen wie ihn hat unser Land nötig, einen, der schonungslos die Wahrheit sagt und seinem Publikum den Spiegel vorhält. Er ist der Zyniker unter den Komödianten, ein charmanter Hofnarr mit Blick für das Wesentliche. Bissig und charmant umschleicht er seine Opfer um dann gnadenlos, aber immer noch mit einer gewissen Nonchalance aus dem Hinterhalt zuzubeißen…”

Praktisch, dass man das so schön über alle Kabarettisten schreiben kann, ohne, dass man ihnen wirklich zuhören muss. Warum die Leute da immer hinrennen ist mir sowieso schleierhaft. Aber vielleicht weil es in manchen Kreisen einfach schick ist. Will man denn wirklich die ganze Zeit hören, was schlecht in unserem Land ist? Also bitte, so schlimm ist es doch auch nicht… Außerdem übertreiben die immer so und verpacken das dann in irgendwelche Figuren. Das muss ich mir auch noch aufschreiben. Dieser Dingsda und seine Lieblingsfigur ist bestimmt auch grandios, das wollen die Leute doch hören. Ich hab meinen Artikel abgeliefert und bekomme mein Geld…

Oh Gott, ich habe ja auch noch eine zweite Hälfte vor mir! Jetzt hole ich mir erst einmal ein Bier. Ach, wäre ich doch beim Fußball wie mein Kollege!

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Posted by Nina - 14/05/10 - 0 comments