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Onlinejournalismus by firmoculousDer Fall Brender hat es uns ganz klar vor Augen geführt: Schon lange sind die meisten Journalisten nicht mehr unabhängig. Die Politik nimmt gezielt Einfluss auf die meisten Vorgänge und verhindert so die berühmte journalistische Objektivität.

Aber nicht nur die Politik nimmt großen Einfluss, noch viel schlimmer sind die Wirtschaft und die Verleger zum Teil selbst. In fast allen journalistischen Stellenausschreibungen werden vornehmlich PR-Journalisten gesucht. Diese stellen inzwischen einen ganzen Zweig dar, der bereits weit über die Hälfte des Journalismus einnimmt. Hier wird nur nach dem Mund der Auftraggeber geschrieben, alles andere zählt nicht.

Und dann bildet sich parallel dazu der Onlinejournalismus heraus. Eine echte Chance um wieder frei arbeiten zu können. Doch anstatt diese Möglichkeit wahrzunehmen wettern die ach so tollen Kollegen der anderen Medien dagegen, weil sie Angst um ihre eigenen Pfründe haben. Als wäre das Medium der Veröffentlichung nicht egal. Eigentlich zählt doch nur der Inhalt, oder?!

Die Einzige, die den Sprung ins neue Medium Internet mal wieder vor der Branche selbst geschafft haben, ist die Wirtschaft. Und so breitet sich ein munteres Feld an Werbe-Blogs, Werbe-Seiten etc. aus, die alle am besten von Laien verfasst werden, denn ihnen kann man ja Hungerlöhne von 1 bis 5 Euro pro Beitrag zahlen. Sie sind nur froh, dass sie ohne es speziell gelernt zu haben etwas veröffentlichen dürfen…

Und genau das drückt auch die Löhne der ausgebildeten Fachkräfte. Sie müssen sich dem Dumping anpassen um überhaupt in ihrem Metier arbeiten zu können. So werden Beiträge über Beiträge herausgehauen, Hauptsache besonders schnell, vor allen anderen und natürlich besonders billig. Keine Zeit mehr für gründliche Recherche, keine Zeit mehr um an seiner Sprache zu feilen, keine Zeit mehr für die normalerweise üblichsten Grundlagen des Berufs.

Es bilden sich bereits ganze Dumping-Lohn-Netzwerke, wie z.B. „Suite101“ oder „Mediaquell“ heraus, die vorgeben unabhängige Nachrichten. und Informationsportale zu sein und einen hohen Anspruch zu haben. In Wirklichkeit werden die Autoren (und sie nehmen wirklich jeden, egal ob qualifiziert oder nicht) für Artikel mit mindestens 400 Wörtern (meist um einiges länger) nach der Anzahl der Leser bezahlt. D.h. schreibt man über ein Nischenthema oder ein sehr populäres Thema, über das wiederum zu viele schreiben, erhält man im Prinzip kein Geld! Und so kommt es in der Regel vor, dass Autoren dort an die 30 Beiträge im Monat verfassen und dann am Ende 2,50 Euro für alles bekommen! Zwischendurch werden die naiven Schreiberlinge mit Textwettbewerben geködert, wo sich der glückliche Gewinner 100 Euro dazuverdienen kann, aber dafür muss man natürlich dann auch wieder eine Menge schreiben…

Laienschreiber oder das neue Medium an sich sind also nicht die Gefahr, sondern diejenigen, die die Honorar- und Veröffentlichungs-Politik betreiben. Würden diese die Laienschreiber sich einfach für umsonst auf deren eigenen Blogs austoben lassen, aber für richtige Portale auch richtige Fachleute zu einer fairen Bezahlung einstellen, wäre das gesamte Problem gelöst…

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Ein Kommentar zu Mit dem Journalismus geht es weiter bergab…

  1. John on 6. Dezember 2009 at 22:57

    Da sprichst Du gleich mehrere Brandherde auf einmal an: dass es mittlerweile mehr PR-Leute als Journalisten gibt, ist schon eine bedenkliche Entwicklung; die Entlohnung in manchen Verlagen grenzt zum Teil schon an Frechheit. Aber damit vor allem auch die neuen Online-Plattformen einen fairen Lohn zahlen können, muss vor allem auch bei der Leserschaft ein Umdenken statt finden: es kann nicht sein, dass für wertvolle Inhalte nicht gezahlt wird – die „all for free“-Mentalität ist hier fatal. Da kann ich die Vorstöße von Murdoch nur nachvollziehen und gut heißen. Ich hoffe, dass guter Journalismus den Leuten etwas wert ist, und sie etwas dafür bezahlen; denn sonst sind sie es selbst auch nicht wert. Auf der anderen Seite müssten aber auch endlich praktikable Zahlmethoden entwickelt werden – da hat man meiner Meinung nach einiges verschlafen.

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