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Als sich einst das Model aus sturmdurchbrausten, im Nichts schwingenden und irgendwo verblassenden Abgründen erhob, war die Welt noch klein und voller nichtssagender Hässlichkeiten, deren Fratzen und Frutzen des Menschen kleines Kind zu ersticken drohten. Doch dann, zart und unschuldig, wie eine Lichtgestalt aus anderen Sphären, pellte sich das Model aus dem Ei. Zunächst wich es angsterfüllt vor den Hässlichkeiten zurück und rief: „Hilfe, nein, so kann die Welt nicht sein. Was macht ihre alle mit der Welt? Und wo ist bitte das liebe Geld, das mir einen Grund für meine Schönheit gibt, und damit in seiner Quelle nicht versiegt? Was macht ihr nur mit dieser Welt und dem schönen Sternenzelt, das Welt und Zelt nicht zusammenhält, weil ihr so hässlich und so einzigartig seid?“

Und siehe da, die Menschen verneigten sich vor dieser Weisheit und priesen das Model, die Lichtgestalt, die ebenmäßigen Formen, die Haut aus Porzellan mit dem leicht güldenen Schein. Und sie bauten dem Model einen Tempel und einen Altar und das heilige Licht der Kameras und Scheinwerfer erleuchtete ihr wunderschönes seidiges von Haselnuss-Bioxi-Liponukleoid-Kuren verwöhntes Haar. Und sie wandelte Tag ein Tag aus über den Laufsteg. Lief hin und her und wurde dessen auch nicht müde. Und jeder ihrer Schritte war ein Aufbeben, ein Aufflammen der unendlichen Weisheit. Und die gar grauselig, grausamen, gruseligen Menschen krochen vor dem Model im Staub, da sie es nicht wagten zu ihr empor zu blicken, denn sie waren des Anblicks unwürdig. Sie, die würmelnden Kreaturen, die sich ohne Anmut, ohne jeglichen Sinn für den Sinn, ohne jeglichen Geschmack für die wohlumkränzenden Stoffe, die das Model am Leib trug, auf diesem Erdball bewegten.

Doch siehe, das Model war gütig. Es schenkte der Menschheit all seine Kreativität und gab ihnen nach sieben Tagen das finale Meisterwerk ihrer Schöpfung, den Sinn allen Daseins, ja, einen Grund ihr kümmerliches Dasein in ein wenig Würde weiterfristen zu können. Sie gab ihnen, und das war so erstaunlich, so besonders, so unübertrefflich deliziös und gleichzeitig so fein und von einer Zartheit, die selbst den noch so Unsensibelsten der Hässlichen zu Tränen rührte. Tränen, die voller Demut vor einer solchen Vollkommenheit über den glatten Erdboden rollten und irgendwo auf diesem Planeten ein zarte Blume, ja, mehr noch eine filigrane Blüte tränkten und ihr Hoffnung auf ein neues Leben einhauchte.

Ja, Freunde und Mitunwürdige, das Model gab uns die Farbe unseres Gesichts, mit der wir Lippen und Augen umkränzen, unsere Nasen pudern und unsere Wangen in ein Rosa mit einem Hauch von Anmut tauchen. Und in einem letzten monströsen Akt, gebar das Model das Buch aller Bücher, das Symbol unseres Glaubens, die amerikanische Vogue.

Noch heute wandelt das Model irgendwo dort draußen und, wenn ihr ganz leise und natürlich voller Demut seid, dann könnt ihr immer noch die Schritte ihrer enorm hohen High Heels vernehmen, die unser Himmelszelt stützen…

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