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Endlich erwacht die “Demonstrations-Kultur” langsam. Nach und nach schälen sie sich aus dem säuselnden Tiefschlaf der Bequemlichkeit und gehen wieder in Scharen auf die Straße. Langsam können es selbst die Medien nicht mehr herunterspielen. Sie suchen händeringend nach Gründen wie sie die Demo schlecht machen können. Von Gewalt ist dann die Rede, von den altbekannten Steinewerfern und Angriffe auf Polizisten etc. Die friedlichen Demos und Aktionen spielen in den manipulierten und manipulierenden Medien keine Rolle. Noch! ;-)

Spannend auf den aktuellen Demos ist auch zu beobachten wie die menschliche Natur sich verhält. Und so ist auch diese Art des Protest letztendlich ein Symbol für unsere kapitalistische Gesellschaft: Die Leute gehen erst auf die Straße, wenn es ihnen selbst wirklich dreckig geht (okay, das war schon immer so). Zudem marschiert jeder nur für seine Belange, die Studenten für mehr Bildungsrecht, die Ärzte gegen das Krankensystem, die Gewerkschafter für mehr Lohn etc. Nur die wenigsten gehen selbstlos auf die Barrikaden…

Nicht falsch verstehen, ich finde die Demos großartig, bin selbst gerne dabei und fordere noch mehr. Es sind nur immer wieder kleine Nuancen und Momente, bei denen mir klar wird, warum so manche Aktion fast ungehört verhallt.

Alle die oben genannten Probleme resultieren im Endeffekt doch aus einer Schieflage des Systems. Warum tun sich nicht alle zusammen und legen alles auf einmal lahm. Nur so würde die Bombe richtig einschlagen. Es geht am Ende nicht wirklich um 1,2% mehr Lohn oder, dass zu wenig Geld für die Bildung ausgegeben wird. Alle diese schwerwiegenden Probleme gründen auf einem maroden System, das längst hinfällig ist und nur noch von ein paar wenigen mit aller Gewalt aufrecht erhalten wird.

Ziehen wir also gemeinsam ganz schlicht und einfach gegen die allgemeine Ungerechtigkeit. Formulieren wir klare Forderungen, mit denen sich alle identifizieren können, vom Arbeitslosen über den Studenten bis hin zum enttäuschten Banker. Nur so bringen wir die Knoten zum Platzen, die Groschen zum fallen und alles, was sonst noch kaputt gehen kann…

Zudem müssen wir uns Gedanken über die Art und Weise mancher Demos machen. Es geht nicht darum wie man sich selbst wahrnimmt, sondern wie ich denjenigen, von dem ich etwas fordere, erreiche. Ist es heute in einer Gesellschaft, bei der sogar die Ältesten stets nach der Jugend streben, noch sinnvoll tanzend hinter einem bunt bemalten Wagen herzulaufen, bei dem aus den Bässen “Heute Abend, wenn ich in der Disco tanze” schallt. Wo sind die echten Protestsongs auf den Demos? Nichts gegen Party etc., aber wollen wir von Merkel und Co., die in ihrer Steifheit und Verstocktheit gar nicht mehr zu überbieten sind, wirklich nur als vergnügungssüchtige Masse à la Love Parade wahrgenommen werden oder haben wir ernste Forderungen zu einem ernsten Thema?

All das uns noch viel mehr ging mir bei den letzten Demos durch den Kopf. Wir müssen kreativer und aktiver sein und auch bei den Formen der Demo alte Strukturen aufbrechen, den Mächtigen wirklich etwas entgegen setzen und uns alle zusammen klar positionieren. Um das zu organisieren haben wir noch die beste Möglichkeit überhaupt, das Internet. Nutzen wir es also noch mehr aus!

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2 Responses to Demo versus Ego – Von Studentenprotesten und Gewerkschaftsstreiks

  1. John on 26. November 2009 at 02:16

    Hi Nina,

    das kann ich in großen Zügen nur unterstreichen. Aber ich habe das Gefühl, dass sich momentan vieles tut – bei uns hätte es z.B. niemand für möglich gehalten, dass der bayerische Wissenschaftsminister ins besetzte Audimax kommen würde. Doch es muss tatsächlich weiter gehen: wir müssen auch viele andere Bevölkerungsschichten für die Proteste gewinnen, um endlich einmal Dinge anzusprechen, die schon lange auf den Prüfstand gehören und diskutiert werden müssen

  2. Nina on 26. November 2009 at 10:49

    Hey John,

    schön von dir zu hören… ;-) Ich kann dir da nur zustimmen, es tut sich einiges und ich finde das auch sehr sehr sehr gut. Nur müssen wir, glaube ich, an manchen stellen noch etwas üben und umdenken. Auch ein Demo-Meister fällt nicht gleich vom Himmel… :D

    LG aus Berlin nach München,
    Nina

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