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tucholsky-kleinPassend zur gerade bekannt gewordenen Insolvenz des US-Finanzierers CIT eines meiner persönlichen Lieblingsgedichte von Kurt Tucholsky.

Es ist doch immer wieder faszinierend, wie Menschen niemals aus ihren Fehlern lernen! Das Gedicht ist von 1931 und erscheint uns so aktuell als wäre es gestern verfasst worden.

Jaja, da haben sie alle groß aufgeschrien als vor gut einem Jahr Lehman Brothers Pleite ging. Von einem neuen Ruck war die Rede, von einem Umdenken. Ja klar! Dieses Umdenken haben wir sehen können. Das einzige Umdenken, das stattgefunden hat, besteht aus einer neuen Umverteilung des Geldes, aus neuen Geschäftemachereien, aus neuen Plänen, die unsere so hoch gelobte Gesellschaft näher an den Abgrund heran bringen. Hauptsache der Status Quo wird erhalten!

Die Pleite von CIT war lange vorauszusehen und so hatten die entsprechenden Leute natürlich Zeit für den Ernstfall vorzusorgen. Sogenannte Zwischenfinanzierer, unter ihnen natürlich auch Goldman Sachs (!), wurden gefunden, schön alles verteilt und laut Experten ist alles bis zum Ende des Jahres wieder gut.

Nur die Alt-Aktionäre und die Steuerzahler haben nichts davon. Die dürfen weiter blechen und das nun auch auf Pump. Aber die Finanzkrise ist ja so gut wie überstanden… 😉

Kurt Tucholsky
Eine Frage

Da stehn die Werkmeister – Mann für Mann.
Der Direktor spricht und sieht sie an:
” Was heißt hier Gewerkschaft!
Was heißt hier Beschwerden!
Es muß viel mehr gearbeitet werden!
Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!”
Eine einzige kleine Frage:
Für wen?

Ihr sagt: Die Maschinen müssen laufen.
Wer soll sich eure Ware denn kaufen?
Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt
das Gehalt wo ihr konntet heruntergesetzt.
Und die Waren sind im Süden und Norden
deshalb auch nicht billiger geworden
Und immer sollen die Räder sich drehn…
Für wen?

Für wen die Plakate und die Reklamen?
Für wen die Autos und Bilderrahmen?
Für wen die Krawatten? Die gläsernen Schalen?
Eure Arbeiter können das nicht bezahlen.
Etwa die der andern? Für solche Fälle
habt ihr doch eure Trusts und Kartelle!
Ihr sagt: Die Wirtschaft müsse bestehn.
Eine schöne Wirtschaft!
Für wen? Für wen?

Das laufende Band das sich weiterschiebt
liefert Waren für Kunden die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
eure eigene Kundschaft kaputt gemacht.
Denn Deutschland besteht – Millionäre sind selten –
aus Arbeitern und Angestellten!
Und eure Bilanz zeigt mit einem Male
einen Saldo mortale.

Während Millionen stempeln gehn.
Die wissen für wen.

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2 Kommentare zu Kurt Tucholsky: „Eine Frage…“ – Zur Insolvenz von CIT

  1. Karlo Scholz on 2. November 2009 at 19:45

    Wie wahr, wie wahr.

    Ich liebe Tucholsky

    Gruß, Karlo Scholz

  2. p.becker on 3. November 2009 at 15:26

    Tucholsky gehört zu meinen Lieblingsautoren. Seine Werke sind genial und absolut lesenswert!

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